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Ein Stuhl für die Lindenstraße
und Schmuck für Augsburger Puppen |
Der Hafen im Wandel: die Galerie von Markus Wildhagen an der Speditionstraße stattet Spielfilme und Serien mit antiken Requisiten aus.
Kapitän Nemo ist nur kurz aufgestanden und kehrt gleich an seinen Schreibtisch auf der Nautilus 20 000 Meilen unter dem Meeresspiegel zurück. So zumindest wirkt das Szenario, das Markus Wildhagen in seiner Galerie im Wandel aufgebaut hat. Nur wenige Meter weiter könnteCharles Spencer Chaplin in einem Büro der 20er und 30er Jahre auf die "Lichter der Großstadt" blicken und über "Moderne Zeiten" sinnieren. Und vorne, zwischen Leuchtreklamen und einer mannshohen Freiheitsstatue, könnten sich Marylin Monroe und Humphrey Bogart zu einem Plausch treffen.
In einer ehemaligen Lagerhalle an der Speditionstraße stehen auf 250 Quadratmetern dicht gedrängt Stühle, Lampen, Sessel und Schmuck verschiedener Epochen, restauriert, aber auch unrestauriert. "Jedes Stück ist besonders, ob Design, Form oder Handwerk", berichtet Wildhagen über seine Auswahlkriterien. Von barocken Kronleuchtern, dem Totempfahl aus einem kanadischen Indianer-Reservat bis hin zu verschnörkelten Accessoires des Jugendstils reicht die "epochale" Vielfalt.
Stilvoller Krimi
Neben dem Verkauf verleiht Wildhagen auch zahlreiche seiner "Schätzchen". Zu seinen Kunden zählen Filmproduktionen und Werbefotografen. "Für den Film der Augsburger Puppenkiste habe ich kleinere Requisiten verliehen", berichtet er. Die Lindenstraße hat sich einen Stuhl geborgt. "Und für einen Krimi habe ich ein ganzes Zimmer im Stil der 30er Jahre ausgestattet", so Wildhagen.
Auch Parties unter einem bestimmten Motto stattet er aus. "Hier hat eine Kosmetikfirma im Stil der 50er Jahre Filme gefeiert", sagt er und deutet auf einen Stapel Fotos. Einige verlassen sich ganz auf sein Geschick, andere leihen sich einfach auffällige Einzelstücke wie große Kerzenleuchter oder ungewöhnliche Lampen. Pompös sei auch das Richtfest des neuen Stadttors in Unterbilk gewesen.Ganz im knalligen Stil der 70er Jahre nahm Oberbürgermeisterin Marlies Smeets nebst anderen Gästen auf bunten Sesseln Platz. Auf ein Lieblingsstück mag Wildhagen sich nicht festlegen."Jedes meiner Ausstellungsstücke hat eine eigene Geschichte", sagt er. Den großen Holztisch mag er besonders. Dieser hat in den 20er Jahren in einer brasilianischen Botschaft gestanden. Ein zwei Meter hoher Film-Oscar gehört ebenfalls zum ansehnlichen Fundus sowie ein komplettes Zimmer, das der belgische Designer Josef De Coene eigens für einen befreundeten Psychologen entwarf - Therapie-Couch inklusive.
Die Wandlungsfähigkeit seiner Galerie wünscht sich Wildhagen auch für den Hafen. "Hier wird in den kommenden Jahren sicher viel passieren, aber die Stadt sollte lanfristiger planen", wünscht sich der "Ur-Düsseldorfer". Kurzfristiges Geld scheffeln könne keine Perspektive sein, und er fügt hinzu: "Ich möchte meinen Laden auch in zehn Jahren noch betreiben."
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